Überflug #3

Stadtspaziergang am 28. August

Als abschließende Veranstaltung haben wir Löbtau Nord durchwandert. Das Wetter war sonnig und die Gruppe von Jung bis Alt. Aus Spaß wurde das Pflanzzeug mitgenommen und vielleicht kann man nächsten Frühling unsere Route anhand von Blumen nachvollziehen.

Löbtau Nord ist anders. Auf den ersten Blick nicht ganz so schick, nicht so geordnet, eher grau als sauber. Es hielt für uns andere Perspektiven bereit. Grenzt Löbtau Süd schon fast an die offene Landschaft und ist pittoresk restauriert, wirkt der nördliche Teil dann doch noch mehr wie das Ur-Löbtau und ein wenig rustikaler. Es gibt die offene Würfelhausbebauung nach Emil Überall, wir haben große Verkehrsstraßen, aber keine Einkaufsmeile. Dafür haben wir städtebaulich umso interessantere Situationen gesehen. Da gibts hinterm Fluss einen riesigen Verladebahnhof – scheint totes Land zu sein. Davor die Bahner – Backstein – Mietskasernen, dann der Fluss und dann die Kleingartenanlage. An der Spitzkehre eine Stadtimkerei, welch Überraschung – echte Bienen, echter Honig, ein echter Imker.

Begeistert haben auch nach Großstadt anmutende Situationen wie der Eingang zum Bramschtunnel oder der ins Löbtau eindringende Keil von Plattenbauten, a taste of Gorbitz. Mittendrin ein alter Supermarkt und wie Arkaden anmutende aus der Funktion gefallene Einzelhandels – Butzen. In den Siebzigern war das der Städtebau en vogue – Wohnungen stapeln, Kriegsschutt recyceln, Freiräume schaffen. Dass diese letztendlich bloße Restfläche zwischen Gebäuden bleiben und mal gar nicht funktionieren, wer konnte das schon ahnen. Dann haben wir da einen schönen neuen Kunstrasen – Fußballplatz, einen gepflegten aber etwas langweiligen Park und können beobachten, wie das Wohnen in der Stadt heute gedacht wird. Immernoch in Würfeln, diese sind aufgeräumter und eher funktional als ästhetisch gedacht. Mehrgenerationenwohnen wird da gebaut, zweistöckig, beinahe niedlich, ein bisschen spießig – Reihenhaussiedlung.

Strommasten mitten auf der Straße, ein Hauch von einem Bach, der viel verborgen liegt und eine neue alte Pianofabrik. Bestes Speiseeis, der Ur-Löbtauer Dorfanger und seine heutige gated community. Eine Bauhaus – Notkirche, eine Geriatrie aus Gasbeton und zwischendrin mal wieder verzahnt verzackte unzugänglich verstufte Zwischenräume mit so gar keiner Aussage. Löbtau Nord ist anders – heterogener, rauher und irgendwie städtischer.

Probierts aus. Hier ist der Spazierplan zu finden.