Wir sind raus, du kannst rein

Der WSL macht Pause mit offenem Ende

Das 2009 in Dresden Löbtau gegründete Projekt Werk.Stadt.Laden ist bekannt geworden durch eine beinah permanente Präsenz an Kulturprojekten mit Bildungsanspruch, die vielfältiger nicht sein könnten. Das dahinter wabernde Gestalterkollektiv stemmte Veranstaltungen, Kurse und Ausstellungen und bot in ihrem Laden eine Vielzahl offener Werkstätten zum Selbermachen an. Angestoßen wurden Kooperationsprojekte mit der Stadt, der Nachbarschaft und anderen Initiativen in ganz Deutschland. Nach fünf Jahren unermüdlicher Arbeit und Schaffenskraft hebt das Kollektiv die weiße Fahne, beugt sich den Strapazen des Standortes und legt eine Pause mit offenem Ende ein.

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„Dresden ist ein hartes Pflaster für Kulturschaffende, die nicht der Hochkultur zugehörig sind. Hinzu kommt, dass der Immobilienmarkt uns in die Ecke zwängt. Wir sind momentan nicht handlungsfähig. Wer jahrelang als Taktiker gespielt hat, muss irgendwann einmal seine Strategie überdenken. Das gehen wir jetzt an und melden uns damit erstmal ab.“
Marc Schmidt, 27, Mitbegründer des Werk.Stadt.Laden

Was bisher geschah. Wir als Werk.Stadt.Laden, als Gestalterkollektiv, als Spittelbande, als nie wirklich definierte Sache, haben uns in den letzten Jahren intensiv in Projekten multipelster Art ausprobiert. Durch einen wachsenden Kreis an Anteil nehmenden und handelnden Menschen, durch den Betrieb kreativer offener Werkstätten und die Initiierung kultureller Beteiligung entstand ein Flow der uns erfüllte und antrieb immer wieder eins drauf zu setzen. Wir sammelten immer neue Erfahrungen, haben Fähigkeiten erworben, Ressourcen gewonnen, Netze gespannt, Freunde gefunden, Bekanntheit erlangt und wie wir nicht mehr verleugnen können, uns auch so gut wie ausgebrannt. Wir fuhren von Ort zu Ort und haben geile Scheiße fabriziert. Wir leiteten Bildungsangebote, leisteten Stadtteilarbeit, leierten verschiedenste Projekte an und haben uns der Sache Willen herzlich gerne ziemlich fertig gemacht.

Die fetten Jahre sind vorbei. Wie etliche andere Initiativen sind auch wir vom mondänen Leben in Dresden schwer getroffen. Die so wichtige Basisstation – der Laden – als Fundament aller Aktivität, ist zunehmend im Begriff sich aufzulösen: Die vor einem Jahr bezogene Holzwerkstatt musste vor kurzem der Aufwertung weichen und auch die Zwischennutzung unseres Nachbarschaftsgartens wurde durch einen geplanten Verkauf für beendet erklärt.
Zwischen dem Retten was noch zu Retten ist und dem Machen was wir eigentlich Machen möchten, verteilen wir uns über die Nischen der Stadt. Wir fragmentieren uns in alle Richtungen, mit all den Ideen und Idealen die immernoch in uns brodeln. Doch in ruhigen Momenten müssen wir uns eingestehen, dass es zunehmend schwieriger wird die Sprunghöhe zu halten welche wir uns selbst auferlegten.

Notbremse ziehen. Wir sind uns einig: So wie es ist kann es nicht mehr weitergehen. Wir durchbrechen die obligatorisch gewordene Schleife der permanenten Aktivität und machen jetzt mal Pause. Um uns zu ordnen und zu strukturieren, um zu überdenken was wir wollen, wie wir wollen und wie wir uns neu aufstellen können. Bis eine neue Immobilie gefunden, bis unsere Struktur gefestigt ist oder bis es uns wieder unter den Fingernägeln brennt. Dass heißt die offenen Werkstätten werden ruhen, Projekte werden sein gelassen und aus der Öffentlichkeit wird sich zurückhezogen.
Dennoch: Das ist keine Kapitulation! Nennen wir es einen geordneten Rückzug aus der Öffentlichkeit, mit dem Ziel das Innere zusammenzuholen und wenn es so weit ist, wieder mit vollem Schwung in die Offensive zu gehen. Wir möchten mal wieder selbst zum Gestalten kommen, rumspielen, uns ausprobieren, halbgewalkte Formate zu Ende stricken, uns für all die kleinen Dinge Zeit nehmen die bisher hinten runter gefallen sind. In der Enstspannung dieser Maßnahme möchten wie die Qualität unserer Arbeit sichern und letztendlich die Zukunft des WSL neu erfinden.

„Als Gruppe haben wir beschlossen uns vorerst aus dem öffentlichen Geschehen zurückziehen um uns internen Aufgaben widmen zu können. Das ist für uns momentan dringlicher als die Beteiligung an Projekten jeglicher Größenordnung. Wir haben momentan mit räumlichen, personellen und finanziellen Schwierigkeiten derart viel organisatorische Arbeit, dass wir uns nicht in der Lage sehen an irgendeiner Aktion teilnehmen zu können oder gar etwas Neues zu initiieren.“
Matthias Röder, Mitbegründer des Werk.Stadt.Laden

Jetzt Rein oder Raus. Unsere Gemeinschaft und die Werkstätten bleiben erhalten. Mehr noch: Wir erschließen eine neue Fläche auf der Rosenstraße, wo bereits eine neue Holzwerkstatt am entstehen ist und weitere Funktionsräume folgen sollen. Unsere Vision ist es, alle verstreuten Teile dort zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Schon jetzt kann jeder und jede an diesem Traum weiter- und mitarbeiten. Alle sind eingeladen dem Gesamtkonzept ihren ganz persönlichen Teil hinzuzufügen. Um die Werkstätten weiterhin nutzen zu können heißt es jedoch: Ganz oder Gar nicht – Vereinsmitglied werden oder draußen bleiben.

Zur Sicherung der alten Werkstätten und Gründung des neuen Standorts fehlen uns 300€ monatlich. Wer Mitglied werden möchte spreche uns einfach an und freue sich auf die Nutzungsmöglichkeit einer 60qm großen Holzwerkstatt, eines Siebdrucklabors, einer Fotowerkstatt und all dem was in Zukunft mit Euch möglich wird!

JETZT VEREINSMITGLIED WERDEN – PDF-ANMELDEBOGEN